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by Annemarie Alexander
Mar 26 2020

Wie der Kampf gegen Covid-19 dem Homeoffice und Videokonferenzen aus den Kinderschuhen hilft

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Die Coronavirus-Pandemie hatte in den letzten Wochen für viele Unternehmen in Deutschland und auch weltweit ungeahnte Folgen. So setzen insbesondere Dienstleistungsunternehmen, aber auch die Verwaltungsbereiche ?ffentlicher Einrichtungen ebenso wie Handels- und Produktionsunternehmen, vermehrt auf das Homeoffice. Die derzeitige Situation stellt einige Unternehmen vor neue technische Herausforderungen, da h?ufig die n?tige Infrastruktur erst noch implementiert oder entsprechend erweitert werden muss. Aufgrund von Schulschlie?ungen ergibt sich auch die Notwendigkeit für einen Fernunterricht in Online-Arbeitsr?umen.

In Zeiten, in denen die Politik und das Robert Koch Institut zur m?glichst weitgehenden sozialen Distanzierung aufrufen, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, leisten Unternehmen ihren Beitrag, indem sie ihre Mitarbeiter ins Homeoffice schicken. Um zu helfen, derartige L?sungen umzusetzen, bieten verschiedene Anbieter von Konferenz- und Online-Arbeitstools wie Microsoft und Google ihre Software vorübergehend kostenfrei an (IBISWorld Branchenreporte J58.29DE, J62.01DE und J63.11DE). Viele Unternehmen nehmen diese Angebote wahr und implementieren im Eiltempo Cloud-L?sungen wie Microsoft Teams oder nutzen die G Suite von Google. So besteht aktuell die M?glichkeit, über die G Suite kostenlos Meetings mit bis zu 250 Personen und Livestreams mit bis zu 100.000 Zuschauern abzuhalten. Auch der kostenlose Anbieter Discord, dessen Software zumeist zum Spielen von Online-Computerspielen verwendet wird, erweiterte sein Angebot und erh?hte die maximale Teilnehmerzahl seines Go Live Streamings von zehn auf 50 Personen. Damit wendet sich der Anbieter jedoch eher an Schulklassen als an Unternehmen.

Neben Cloud-Angeboten wie Teams und G Suite ben?tigen viele Arbeitnehmer im Homeoffice auch den Zugang zu firmeninternen Servern über sogenannte Virtual Private Networks (VPN). VPNs werden durch Dienstleister wie NordVPN, ZenMate und Cisco zur Verfügung gestellt. Diese sind von zentraler Bedeutung für das Funktionieren ausgeweiteter Homeoffice-Nutzung, funktionieren jedoch nur mit einer gut ausgebauten Netzinfrastruktur (IBISWorld Branchenreport J61.90DE). Da eine Vielzahl von Mitarbeitern Heimarbeit machte kam es in den letzten beiden Wochen zu einem sprunghaften Anstieg der Zahl der VPN-Zug?nge, was bei einigen Unternehmen zu Netzwerküberlastungen führte, die jedoch gezielt überbrückt werden konnten. Um weiterhin ein stabiles Netzwerk für Telearbeit und Fernunterricht zu gew?hrleisten, kündigte der Streaming-Anbieter Netflix am 19. M?rz an, seine Datenübertragungsleistung für Serien und Filme in Europa 30 Tage lang zu drosseln. Diese Ma?nahme wurde von Politik und Wirtschaft begrü?t.

Dank der allm?hlichen Digitalisierung vieler Unternehmen in den letzten fünf Jahren ist die Infrastruktur, die einen schnellen Wechsel der Arbeitnehmer ins Homeoffice erm?glicht, in den meisten Unternehmen bereits vorhanden. Auch das mittlerweile hohe Datenvolumen bei übertragungen über das Internet (IBISWorld Einflussfaktoranalyse Datenvolumen im Breitbandinternet) spielt eine entscheidende Rolle bei der pl?tzlichen gro?fl?chigen Umsetzung von Homeoffice-Infrastrukturen. Ohne das bereits weit entwickelte technologische Grundgerüst w?re ein pl?tzlicher übergang ins Homeoffice, wie aktuell zu beobachten, für viele Unternehmen kaum m?glich. So lag der Anteil der Unternehmen, die Cloud-Computing einsetzen, bereits im Jahr 2017 bei knapp zwei Dritteln der durch den Branchenverband der IT-Branche, Bitkom, in einer Umfrage befragten Unternehmen.

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Das Potenzial für Homeoffice ist also bei vielen Unternehmen schon seit einigen Jahren gegeben, die Umsetzung ist jedoch bis vor Kurzem nicht in gleichem Ma?e erfolgt. So hatten laut einer weiteren Umfrage von Bitkom im Jahr 2019 lediglich 41 % aller Festangestellten eine Erlaubnis, im Homeoffice zu arbeiten. Von diesen wiederum nutzten 62 % diese M?glichkeit aber gar nicht und arbeiteten lieber weiterhin im Büro. In den letzten Wochen kam es wegen der Coronavirus-Pandemie zu einem sprunghaften Anstieg der Heimarbeitsquote, was jedoch nicht nur durch die bereits existierende Infrastruktur, sondern auch dank der intensiven Unterstützung durch Softwareunternehmen bei der Implementierung notwendiger Softwareerg?nzungen erm?glicht wurde. Auch IT-Beratungsunternehmen (IBISWorld Branchenreport J62.02DE) erfreuen sich aufgrund der Herausforderungen, welche die Einführung dieser L?sungen und die Aufrechterhaltung der Leistungsf?higkeit interner und externer Netze betreffen, einer besseren Auftragslage. Nicht ausschlie?lich dieser Technologiesprung, sondern haupts?chlich die aufgrund der aktuellen Krise gesammelten Erfahrungen mit fl?chendeckendem Homeoffice dürften jedoch in den n?chsten Jahren zu einer gesteigerten Akzeptanz dieser Option durch die Arbeitgeber und -nehmer führen. Auch in Zukunft ist also mit einer wachsenden Anwendung von Konferenzsoftware und ?hnlichen Programmen zu rechnen. Dies k?nnte aber zu einem sinkenden Bedarf an Gesch?ftsreisen führen. Daher nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass die Umsatzeinbu?en, welche die Kongressveranstalter, Hotels und Luftfahrtunternehmen aktuell erfahren, l?ngerfristiger Natur sein werden (IBISWorld Branchenreporte N82.30DE, I55.10DE und H51.10DE).

Die deutschen Schulen reagieren eher verhalten auf die Nutzung von Remote Software, auch wenn sie dadurch die M?glichkeit haben, über Programme wie G Suite Education und über die regul?re G Suite kostenlos Meetings und Livestreams durchzuführen. Auch das Programm Discord kann aktuell kostenlos von Schulklassen mit bis zu 50 Personen für den Fernunterricht genutzt werden. Schulen in Deutschland tendieren in der aktuellen Lage aber eher dazu, Online-Portale (IBISWorld Branchenreport J63.12DE) statt Cloud-Software zu nutzen, um Lernmaterialien zu bearbeiten und zu teilen. Ein Beispiel w?re die Plattform Schoology. Der hohe Digitalisierungsgrad der Gesellschaft (IBISWorld Einflussfaktoranalyse Digitalisierungsgrad), in der die meisten Schüler mit Smartphones, eigenem Internetzugang und gegebenenfalls weiteren Datenverarbeitungsger?ten ausgestattet sind (IBISWorld Branchenreport C26.20DE) bietet noch Raum, um die Nutzung von Cloud-L?sungen an Schulen auszubauen. So wird aktuell die Implementierung der Lehr- und Lernumgebung HPI Schul-Cloud, die Ende des Jahres 2019 an einigen Pilotschulen in Deutschland eingeführt wurde und durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gef?rdert wird, forciert. HPI Schul-Cloud ist speziell auf die Bedürfnisse von Schulklassen zugeschnitten und erm?glicht auch die Erarbeitung von Lernmaterialien in Teams. Sind die Akzeptanz und Nutzung derartiger L?sungen einmal gegeben, bieten sie ein hohes Potenzial, das Lernen und Lehren an deutschen Schulen zu ver?ndern.

Trotz positiver Aussichten ist die Stimmung bei deutschen IT-Unternehmen in Anbetracht der Ausbreitung des Coronavirus zum Teil getrübt. So berichtete der Branchenverband Bitkom bereits im Februar, dass jedes vierte IT-Unternehmen negative Auswirkungen auf sich zukommen sieht. Denkbar w?re, dass spezialisierte Anbieter von Cloud- und Streaming-Angeboten von der Krise profitieren, w?hrend gleichzeitig andere IT-Unternehmen mit Auftragseinbrüchen zu k?mpfen haben.

Die Coronavirus-Pandemie dürfte sich als ein ma?gebliches Ereignis für die Implementierung von Heimarbeits- und Videokonferenztechnologien herausstellen. Es ist damit zu rechnen, dass die Akzeptanz dieser Technologien bei Arbeitgebern und -nehmern ebenso wie bei Lehrern und Schülern deutlich zunehmen wird. Dies k?nnte das Arbeits- und Lernverhalten vieler Menschen langfristig ver?ndern und einen disruptiven Einfluss auf Industrien haben, die auf eine hohe Nachfrage nach Konferenzen, Gesch?ftsreisen und Büror?umen angewiesen sind.

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In diesem Bericht erw?hnte Branchen:

C26.20DE – Herstellung von Datenverarbeitungsger?ten und peripheren Ger?ten

J58.29DE – Verlegen von Software

J62.01DE – Programmierungst?tigkeiten

J61.90DE – Sonstige Telekommunikation

J62.02DE – Beratung im Bereich der Informationstechnologie

J63.11DE – Datenverarbeitung, Hosting und damit verbundene T?tigkeiten

J63.12DE – Webportale

H51.10DE – Personenbef?rderung in der Luftfahrt

I55.10DE – Hotels, Gasth?fe und Pensionen

N82.30DE – Messe-, Ausstellungs- und Kongressveranstalter

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In diesem Bericht erw?hnte Einflussfaktoren:

IBISWorld Einflussfaktoranalyse Digitalisierungsgrad

IBISWorld Einflussfaktoranalyse Datenvolumen im Breitbandinternet

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